August 2017, feucht und kühl

Unser lieber Jonatan war wieder ein paar Tage bei uns. Nun konnten wir uns in diesem Jahr schon viermal sehen, in San José, Chicago und zweimal in Cuerres. Wären wir in Hamburg geblieben, wir würden unsere Kinder nicht öfter sehen. – Im Oktober wollen wir den Camino Portugués mit David und Marie laufen. Weihnachten wollen wir wieder alle in Casa Belén feiern.

Der Sommer 2017 ist feuchter als die vorangegangenen. Der kleine Guadamia Fluss war im letzten August ausgetrocknet, jetzt führt er Wasser wie im Winter. Auch im Graben durch unser Grundstück fließt es. Das Wasser kommt von einer Quelle, die ca. 100 m (etwas höher) entfernt liegt. DasQuellwasser soll nun durch einen neuen Graben zu uns geleitet werden, anstatt die Wiesen zu versumpfen. Der Bagger hat gerade den Anschluss geschafft. Das müsste ein Vorteil für alle sein.

Auf einem Ausflug haben Birgitta und ich eine Lagune entdeckt, die unterirdisch vom Meer gespeist wird. Gleich nebenan ist eine Tropfsteinhöhle mit glitschigem Boden. – Während der Camino del Norte an der Küste entlang läuft, erklimmt der europäische Fernwanderweg GR-E9 einen zur Küste parallel laufenden bewaldeten Höhenzug, von dem man schöne Ausblicke hat. Seltsamerweise sind einige der Hinweispfeile brutal abgebrochen worden. Wie uns gesagt wurde, wollen die Bauern der anliegenden Felder keine Wanderer auf dem Weg (!?).

Pilger:

Eilin, aus Spanien, ist Kunst und Englischlehrerin. (Ihr Vater ist aus Irland.) Sie malte uns fröhlich ins Gästebuch und schrieb darunter: Thank you for doing  something extraordinary every day.

Das klingt bombastisch. Wir haben mit ihr zu Abend gegessen, sie hat in Casa Belén geschlafen und wir haben gefrühstückt. Was ist daran ‚ungewöhnlich‘? Gut, die meisten Menschen öffnen ihr Haus für Freunde und Verwandte. Casa Belén ist auch für Pilger (im weitesten Sinne: Wanderer auf dem Jakobsweg) offen. Sie schätzen das sehr und bedanken sich im Gästebuch für die Erfahrung des Angenommen-Seins und Vertrauens, das natürlich gegenseitig ist.

Das Foto von der kleinen Zeltstadt vor unserem Haus entstand am 6. August. Mit 14 Pilgern waren wir wirklich ‚completo‘. Es ist eine gute Idee, mit einem kleinen Zelt zu wandern, auch wenn es auf den Schultern drückt. So läuft man nicht mit der Ungewissheit, wo man am Abend unterkommt.

Zum ersten Mal wurde in unserer Kapelle eine Hl. Messe gefeiert. Giulio, aus Bergamo, wo er vier Gemeinden betreut, ist seit 7 Jahren Priester. Er wandert mit seinem Vater Luigi, sozusagen als Messdiener. Die kleine Gemeinde war international, zwei Südkoreaner, ein Pole, ein Spanier und wir beide. Die Lesungen wurden in vier Sprachen vorgetragen und die Taizé-Lieder eignen sich hervorragend für mehrsprachige Gottesdienste. Einer der beiden Südkoreaner war übrigens Theologiestudent und möchte Priester werden.

Jonatan (35, aus Frankreich) kam mit seiner zehnjährigen Hündin. Er war fünf Monate zuvor auch mit einer Eselin (‚Vanille‚) gestartet. Wie er mir erzählte, band er sie während einer Rast in Portugalete (bei Bilbao) an einen Baum, während er etwas essen ging. Vanille überlebte nur wenige Stunden. Sie hatte von dem Baum, einer Eibe, gefressen!

Frank (41) war im April in Gießen gestartet. Er sieht wegen seiner langen Haare und seines Bartes um einiges älter aus. Er ist Altphilologe, was aber nicht heißt, dass er zwei linke Hände hat.Früher, in seiner WG habe er den Hausmeister gespielt und die kaputten Sachen repariert. Am Vorabend war Birgittas Geburtstagsgeschenk, ein Tischfußballspiel (alles in Einzelteilen) geliefert worden. Das war eine schöne Aufgabe für ihn. Im Eröffnungsspiel haben wir dann zu zweit 4:5 gegen Birgitta verloren. Um mein Niveau anzuheben, werde ich jetzt regelmäßig gegen sie antreten.

Wir sind nach wie vor glücklich in unserem asturischen Dorf mit unser abwechslungsreichen Tätigkeit. Allerdings sind wir sehr angebunden und manchmal auch rechtschaffen müde. So entstand schon mal die Idee, ein Sabbatjahr einzulegen. Dann könnten wir einige von den Dingen machen, für die jetzt die Zeit nicht reicht.

Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Wir waren mal eben weg …

(Blog Juli 2017)

Es gab zwei Anlässe für unsere USA Reise: der Uni Abschluss unserer Tochter in Chicago und die seit Jahren stehende Einladung unseres Freundes Dave, ihn in LA zu besuchen. Nach einer würdigen ‚graduation‘ Feier machten wir uns zu viert auf die Reise entlang der ‚route 66‘. Es war eine denkwürdige Reise, die uns über 5.500 Km durch sieben Staaten und in vier Nationalparks führte, mit dem besten Freund und Führer, den man sich wünschen kann: Dave.

Für unseren Blog sollen drei Fotos stellvertretend genügen.

Vom 6. Juni bis zum 3. Juli waren wir unterwegs, aber die Pilger wurden weiterhin in ‚Casa Belén‚ aufgenommen, denn Susanne, Christiane, und Roswitha aus dem Rheinland waren begeisterte Herbergsmütter. Sie erlebten die ganze Bandbreite des Lebens am Jakobsweg:

  • vom ultra fitten Ryan (25) aus Kalifornien, dem man die 60 Km Etappe kaum anmerkte, bis zur fußkranken Karen (48) aus Kanada, die sich trotz der entzündeten Blasen frühmorgens nach Santiago aufmachte.
  • Tage an denen sie vergeblich auf Pilger warteten und Tage, an denen Casa Belén ‚ausgebucht‘ war (und dazu noch Hündin Leija mit Blasen an den Pfoten).
  • Langzeitpilger wie Michael, der im Februar in Ulm startete oder Thomas, der seinen Camino in Taizé begann.
  • Viele junge Leute zwischen 20 und 30, aber auch ‚altgediente‘ Pilger, wie Tabata, (78) aus Tokyo, der beim Abendessen deutsche Gedichte vortrug! Tom (77) aus Norwegen machte ein tolles Kompliment. Er bat um den Schlüssel, damit er sich einschließen könne, um zu bleiben. Andrew (66), mit Rauschebart, aus Schottland, schrieb ins Gästebuch „hope restored“ (ihr habt mir die Hoffnung wieder gegeben): bei der Andacht in der Kapelle hatte er die Spiritualität gefunden, die ihm auf dem Jakobsweg verloren gegangen schien.
  • Zweimal kamen junge Franzosen (15 Jahre) mit einem erwachsenen Begleiter. Die Leser unseres Blogs erinnern sich: die Organisation Seuil (die Schwelle) schickt straffällig gewordene Jugendliche zwei Monate auf Jakobswege als Chance, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.
  • Die Herbergsmütter, die zeitweilig von Freunden und Familie aus Deutschland unterstützt wurden, hatten ihre Freude an musizierenden Pilgern, die ihr Können (z. B. auf Flöte oder Ukulele) zum Besten gaben oder vor dem Abmarsch, in der Kapelle, mit Gesängen Gott die Ehre erwiesen (wie die fünfköpfige Pensionärsgruppe aus Wasserburg am Inn).
  • Unvergessen wird der letzte Abend bleiben (2. Juli). Casa Belén war voll belegt. Es wurde zu Tisch gebeten. Da erscheint ein Paar aus Seattle, James (34) mit Frau Erin (39) und Baby Olivia (10 Monate). Ein Tisch wird zugestellt; es sind noch Kässpatzen da. – Aber wo sollen sie schlafen? Nur der ‚Stall‘ ist noch frei. Ja, sie schliefen in der Kapelle, Olivia gleich neben Jesus im Stroh.
  • Wir haben bei der ‚Wachablösung‘ die ‚heilige‘ Familie noch kennengelernt. Olivia ist ein echtes Camino Baby: kein Fremdeln, strahlendes Lächeln aus den blauen Augen.

Wie ist es Birgitta und mir seitdem ergangen? Da unsere Nachbarin im Juni eröffnet hat, sind im Schnitt 4 Pilger zu uns gekommen, wobei die Nachbarherberge in der Regel voll war (mit 10 Pilgern). Wenn aber ‚die Welle‘ kommt, füllen sich beide Herbergen.

Am 11.Juli traten während der abendlichen Andacht drei weitere Pilger auf Zehenspitzen in die Kapelle: Marta (25), Monika (23) und Martin (16), drei Geschwister aus Polen (an dem Abend Pilger N° 11, 12 und 13). Auch sie durften in der Kapelle schlafen.

Am Tag darauf kam nur Kaja (20). Es war wie eine Fügung. Wir konnten sie gut kennen lernen. Sie hat kein einfaches Leben gehabt, aber mit ihrer inneren Festigkeit und Willensstärke hat sie im März das Abitur bestanden. Nicht zu unterschätzen ist der Fußball: Kaja spielt in zwei Mannschaften, in der 3. Liga als Torwärterin, in der 4. Liga im Sturm.

Wir halten unsere geschätzten Leser weiter auf dem Laufenden.

hasta luego

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

13. Mai: Fatima jährt sich zum 100. Mal

So schön blüht jetzt die ‚rosa del Camino de Santiago‚, die mir Monique aus Nordfrankreich per Post geschickt hatte; eine eigene Züchtung ihrer Rosenschule.

Am 13. Mai jährte sich zum 100. Male die Marienerscheinung von Fatima (Portugal). Papst Franziskus feierte aus dem Anlass dort einen Gottesdienst. Auf dem Wege dorthin war er zuvor drei Tage auf dem ‚Camino Portugués‘ gewandert.

Die kleine Kapelle in unserem Nachbarort Toriello ist der ‚virgen de Fátima‘ geweiht, und anlässlich des Jubiläums wurde der Tag auch besonders festlich begangen: der Blumenschmuck war üppig und es waren sehr viele Besucher in asturischer Tracht gekommen. Die Fotos geben einige Einblicke.

Liebste Freundin Maren war für einen Blitzbesuch gekommen. An einem sonnigen Tag zeigten wir ihr den ‚Strand ohne Meer‘: Gulpiyuri. Das Wasser kommt unterirdisch durch Felsspalten. Das offene Meer ist ca. 100 m entfernt.

Eine andere ‚Laune der Natur‘ entdeckten wir am Ebbe-Strand von San Martin. Es blubberte wie in einem vulkanischen Schwefelbecken. „Schnucki, hilf mir!“ hörte ich plötzlich. Als ich mich umdrehte, war Birgitta bis zum Oberschenkel eingesackt. Ein spanischer ‚caballero‘, der näher dran war, zog sie aus ihrer misslichen Lage. Er handelt sich um eine Süßwasserquelle, die mitten am Strand hervorbricht.

PILGER die uns in Erinnerung bleiben:

Frank (55), aus Holland, hat seit 30 Jahren eine Fallschirmsprungschule. Er hat selber 8000 Sprünge gemacht (ca. die Hälfte davon im Winter in Florida). Normalerweise wird aus 3000 m Höhe gesprungen, was für 60 Sek. freien Fall genügt. Wer höher hinaus will, muss einige Euros drauflegen.

Michel Marie R. , z. Z. in Südfrankreich, war zum zweiten Mal bei uns. Mit 85 Jahren ist er der bislang älteste Pilger. Er ist kath. Priester und lebte 42 Jahre in Japan.  Michel Marie schickte uns per Post eine tibetische Klangschale (die aus sieben Metallen bestehen soll) und einen Mini Samurai-Helm. – Diesmal lief er den ‚Camino Primitivo‘, der durch die Berge auf 1200 m Höhe ansteigt. Sein einziges Zugeständnis war, dass er sich seinen Rucksack transportieren ließ.

Liliane (50) ist blind und wird von ihrem Mann Gilbert (55) am Band geführt. Letztes Jahr starteten sie in Orleans (100 Km südlich von Paris) und wanderten 1100 Km bis nach Santillana del Mar. Dort knüpften sie vor vier Tagen wieder an. Lilianes Augenlicht wurde schon vor 30 Jahren schwächer. Die Erblindung war nicht aufzuhalten.

Marie-Christine (56) kommt aus Nouméa. Das ist, sollte es nicht bekannt sein, die Hauptstadt von Neu Kaledonien, das östlich von Neu Seeland im Pazifik liegt. Vor zwei Jahren kam aus eben diesem Ort Alain Houchon hier vorbei gepilgert. Wir stellten ihn in unserem Blog vor. Marie-Christine kennt ihn, was einerseits an der relativ geringen Einwohnerzahl liegt, andererseits daran, dass Alain als freier Journalist dort bekannt ist.

Lisette (55) aus Toulon, hatte ein Pilgerzimmer für sich allein. Vier Männer teilten sich das andere. Die Kleidung von allen wurde in der Maschine gewaschen und (von den Pilgern) zum Trocknen aufgehängt. Maren hat an dem Abend eingehütet, denn Birgitta und ich hatten Chorprobe.Nach unserer Rückkehr berichtete sie von einer drolligen Begebenheit. Sie hatte den flotten BH an der Leine für Birgittas gehalten und ihn, als er trocken war, abgenommen. Lisette fragte Maren: Où est mon soutien-gorge? Il a disparu. – Da Lisette nur französisch spricht, musste sie ihre Zuflucht zu eindeutigen Gesten nehmen, bis bei Maren der Groschen fiel. Beide haben herzlich gelacht.

Zwei junge Leute aus Polen verbindet ein schwerer Schicksalsschlag. Mateo (28) und Peter (25) erlitten beide anfang zwanzig eine Gehirnblutung. Peter war halbseitig gelähmt. Mateo berichtete, dass die Ärzte seiner Operation nur eine ganz geringe Chance einräumten. – Beide trafen sich in der Reha, wurden Freunde und sind jetzt gemeinsam auf dem Pilgerweg. Für die beiden gläubigen jungen Leute besteht kein Zweifel, dass sie durch Gebete geheilt wurden.

Chiara (34) ist Psychologin. Sie beschäftigt sich seit langem mit der Heilkunst der Schamanen. Vor einem Jahr fuhr sie nach Peru, um dort bei einem Schamanen eine ‚Fortbildung‘ zu machen. Sie bekam dort die Eingebung, sie solle den Jakobsweg gehen … und zwar rückwärts. So startete sie in Finisterre und kam nach 21 Tagen bei uns an. Sie hat den längsten Teil noch vor sich, denn sie will durch Frankreich bis nach Südwestengland, zu einem der Energiepunkte der Erde.

Doris und Stefanie (Mutter und Tochter) betreiben eine Klinik für Podologie (Fußklinik). Sie sind mit der Bekanntgabe ihres Berufes zurückhaltend, denn sonst scharen sich die Pilger um sie…

Was an Doris – neben ihrer Fröhlichkeit – noch bemerkenswert ist: Sie hat zwei künstliche Hüften! In den letzten sechs Monaten hat sie 45 Kilo abgenommen, mit Hilfe einer Magenverkleinerung. Beim Abendessen verzichtete sie auf den Nachtisch: mehr ging einfach nicht rein.

Es kommen immer mal wieder Pilger zu uns, die ‚auf den Hund gekommen‘ sind. Jana mit dem kleinen Juno, Samira mit Emerson, Jessica mit Falka, Florian und Freundin brachten jeder einen Collie mit, die nach 38 Km weit erschöpfter wirkten als Herrchen und Frauchen. Aber am ‚Energiepunkt‘ Casa Belén kommen alle wieder zu frischen Kräften und ziehen am nächsten Morgen weiter gen Santiago.

Frieda lässt grüßen. Der Stechginster gefällt ihr gar nicht. Für die schönen Blüten hat sie kein Auge.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Das Fernsehen war da !

 

April 2017

Der Drehtermin mit dem regionalen TV Sender war für alle Bewohner von Cuerres ein Erlebnis.

Das TV Team bestand aus zwei Kameramännern, einem Tontechniker, der Moderatorin und ihrer Assistentin, sowie dem Regisseur. Sonia heißt die quirlige und perfekt asturianisch sprechende Moderatorin. Sie wurde den ganzen Tag von Panchi (72) begleitet, der sie zu allen Sehenswürdigkeiten und den Interviews begleitete. Er war am Abend ziemlich fertig. Kaum Zeit zum Pinkeln hatte er gefunden, denn von 8 Uhr bis 15Uhr30 (Mittagessen) wurde ohne Pause gedreht.

Um 14 Uhr kam das Team zu Casa Belén. Der Techniker heftete un ein Mikro ans Hemd, Panchi stellte uns vor und schon wollte Sonia wissen, was uns denn nach Cuerres verschlagen habe. Als sie erfuhr, dass wir eine Kapelle haben, beschloss sie, die Dreharbeiten dort fortzusetzen. Dort erzählten wir weiter und sangen zum Schluss gemeinsam das Lied: Ubi caritas et amor, Deus ibi est. (Wo die Nächstenliebe und die Liebe ist, da ist Gott.)

Um 18 Uhr war allgemeine Schlussrunde auf dem Kirchplatz mit anschließendem Buffet in der ‚Alten Schule‘, mit allen Köstlichkeiten, die Asturien zu bieten hat. Sonia bekam stellvertretend für ihr Team zwei Geschenke überreicht: eine Tuschgemälde von Cuerres und zwei eingravierte Sidragläser mit persönlicher Widmung (von Elias, dem Graveur).

Nun waren alle gespannt, was von dem ganzen Drehtag in der 40 minütige Pueblo Sendung übrig bleiben würde. Am Ostermontag (17. April) wurde gesendet. Auch Birgitta und ich saßen gespannt vor dem Fernseher. Jonatan, der mit Maria in Rom war, konnte es über ‚live stream‘ direkt mit sehen. Ich glaube, dass unser Dorf gut und unterhaltsam dargestellt wurde und dass alle ‚Akteure‘ zufrieden sein können. Panchi hat seine Sache gut gemacht und TPA hat so gut montiert und geschnitten, dass dabei eine kurzweilige Presentation von Cuerres entstanden ist. Man kann sich die Sendung in youtube.com angucken unter

pueblos 17 04 2017 Cuerres (unser Interview geginnt ab Minute 23)

Man wundert sich, wie viele Leute das Regionalfernsehen schauen. Am nächsten Tag wurden wir bei einem Spaziergang in Ribadesella von mehreren Personen angesprochen.

Birgitta steckt voller Projekte, aber nach diesem letzten Werk ist erst einmal eine künstlerische Pause angesagt. Abgesehen von der Kreativität ist auch eine Menge handwerklicher Arbeit mit so einem großen Mosaik verbunden (viele, viele Stunden …). Das Zementfundament hat sie grüne gestaltet, damit es mit dem Rasen besser harmoniert. In einem beherzten Schwung deutet das Mosaik in Richtung auf die Kapelle.

Jonatan kam uns kurz aus Deutschland besuchen. Er hatte Ruhe verdient nach dem zweiwöchigen Manager-Austausch zwischen Costa Rica und Deutschland, das er im Rahmen der GIZ organisiert und durchgeführt hatte. Da tut es gut, den Spaten in die Hand zu nehmen, um einen kleinen Teich am anderen Ende des Grabens auszuheben. (Den ersten Teich hatten wir dem Nachbarn zuliebe zugeschüttet.) Wenn der große Regen kommt, der in diesem Jahr auf sich warten lässt, wird er voll laufen, und Hans und Heidi dürfen darin schwimmen.

Pilger:

Gilbert hat uns wieder besucht. Im Juli 2013 hatten wir ihn auf dem Fest des goldenen Priesterjubiläums von Don Ernesto getroffen. Eine Woche später kam er dann auf seinem Weg bei uns vorbei. Schon damals gehörte er zu den ‚Ausnahmeerscheinungen‘ des Jakobsweges: 60 Jahre alt, Hippie Haare, zahnloser Mund, aber sauber und adrett gekleidet. Arbeits- und praktisch heimatlos war er seit 8 Jahren ‚auf der Walz‘. Als er 2013 weiter zog versprach er uns aus Rom zu schreiben, wenn er (natürlich zu Fuß) dort ankommen würde. Und tatsächlich kam die Karte, die ich bei seinem jüngsten Besuch aus unser Sammlung holte und ihm zeigen konnte.

Die Postkarte hatte für uns eine neue Aktualität, denn wir waren dabei einen Brief an Papst Franziskus zu schreiben. Unser Anliegen ist es, den Papst zu bitten, dafür Sorge zu tragen, dass die Kapellen und Kirchen entlang des Jakobsweges (Camino del Norte) geöffnet sind und der Besuch für Pilger kostenlos ist (letzteres bezieht sich auf die Kathedralen und touristischen Kirchen). Im allgemeinen kommt die Kirche ihrer Fürsorgepflicht für die Pilger zu wenig nach und verpasst so eine große Chance. Zwar ist der Weg jetzt von der UNESCO zum Weltkulturerbe (patrimonio de la humanidad) erklärt worden, aber in erster Linie ist er ein ‚Pilgerweg der Christenheit‘.

Der Brief wurde formvollendet von unserer Freundin Carmen (die eine Herberge in Galizien führt) formuliert; dazu haben wir ein paar Fotos von den beiden Herbergen und unserer Kapelle gefügt.

Wie könnte der Brief den Papst erreichen? Über den Postweg würde er zwischen den tausend anderen Briefen untergehen. Das Beste wäre schon eine persönliche Übergabe, z. B. bei einer der Papst Audienzen.

Wie schon erwähnt, war Jonatan bei uns und ist jetzt in Rom. Wir haben ihm den Brief mit gegeben. Morgen, am Mittwoch, dem 19. April um 10Uhr30 ist Papst Audienz. – Ich frage mich, zu welchem Heiligen man um Unterstützung beten könnte…

Monika und Walter (ca. 50) kommen aus dem Zipfel Thüringens (ganz nahe der ehemaligen Grenze zur DDR), in dem die Mehrheit der Bevölkerung katholisch war und (größtenteils) blieb (!); vielleicht auch um ihren Protest gegen das SED- Regime auszudrücken. Als ich ihre Pilgerausweise stempeln wollte, waren sie nicht auffindbar, obwohl sie sie kurz vorher noch in der Hand gehabt hatten; aber auch das Umstülpen der Rucksäcke brachte sie nicht zum Vorschein. Ich schlug vor, mit Walter im Garten zu suchen. Ich erwähnte, dass ich oft nach einem Stoßgebet zum hl. Antonius Verlorenes wiedergefunden habe. Darauf erzählt er von einem Hügel in der Nähe seines Dorfes, auf dem eine alte Figur de hl. Antonius steht. Bei ’schwierigen‘ Fällen steige man hinauf. Das würde helfen. – Wir haben nur über den hl. Antonius gesprochen. Keiner von uns hat ein Stoßgebet zu ihm gesandt. Trotzdem erklang es (durch das offene Fenster): Ich habe sie! – Martina hatte die Pilgerpässe auf die Matratze gelegt und dann das frische Spannbetttuch aufgezogen …

Eine bemerkenswertes Paar waren Albert (31), aus Katalonien, und Jiho (29), aus Seoul. Die beiden liefen seit 14 Tagen zusammen, obwohl eine Verständigung kaum möglich war, denn Jiho spricht kein Englisch. Er arbeitet in einem Transport Unternehmen und hat kein Studium gemacht, bei dem er hätte Englisch lernen können. Albert ist Croupier im Casino von Tarragona und war sehr gesprächig beim Abendessen. Irgendwie haben wir auch Jiho mit eingebunden. Entscheidend ist die Sympathie zu einander. Jiho’s Schwester, die bei der Polizei arbeitet, wird im Herbst heiraten. Bei der Gelegenheit wäre doch ein Besuch angesagt, meinte Albert.

Liebe Grüße von Oma Verena aus Reinbek brachte uns Enkelin Anna-Lena (21). Birgitta und ich gehörten seit 1985 zur Herz-Jesu Gemeinde und teilten im Familienkreis mit Verena und ihrer Familie ein Stück Glaubensweg.

Da Anna-Lena kurze Etappen lief, waren etliche Pilger an ihr vorüber gezogen und erzählten uns von ihr. Sie war Gilbert begegnet und hatte ihm mit Henna ‚Dios te acompaña‚ auf das Handgelenk geschrieben. Andere erzählten uns von einer jungen deutschen Pilgerin, die sich eine Woche Schweigen auferlegt hätte. – Anna-Lena hat ihren Bachelor in Landwirtschaft gemacht. Sie ist Christin und hat im Schwarzwald ein Jahr in der Gemeinschaft ‚der Anker‘ gelebt. Sie könnte sich vorstellen, Studium und Glauben zu verbinden, etwa als christliche Entwicklungshelferin. Auf dem Jakobsweg hofft sie, Klarheit über ihren Weg zu finden. – Noch eine Anekdote: Anna-Lena wollte den prächtigen Avocado Baum im Garten von Teresa und Jesús sehen. Als sie in der Krone, fast unsichtbar zwischen den Blättern, eine Avocado erblickte, kletterte sie hinauf und pflückte 14 pralle Avocados, die sie uns schenkte.

David (62), aus Vermont/USA, ist Maler. Er kam sehr spät mit Freund Gregg nach einer langen Etappe. Umso dankbarer genossen sie das warme Abendessen. Danach ging es gleich ins Bett. Morgens, vor dem Aufbruch, setzte sich David in den Garten und zeichnete unsere Kapelle. Wie er sagte, baue er selber eine Steinkapelle auf seinem Grundstück in Vermont.

Nach wie vor ist es unmöglich eine Prognose darüber zu geben, mit wie viel Pilgern zu rechnen ist. Am 2. April war zum ersten Mal ‚full house‘ mit 10 Personen, darauf kam zwei Tage lang niemand. Es ist praktisch, wenn uns Pilger anrufen, um ihr Kommen für den Nachmittag des Tages anzukündigen. Allerdings steht unsere Telefonnummer in keinem Pilgerführer:

(0034)618 63 20 72 und (0034)634 44 37 55 … falls ein Pilger unseren Blog entdeckt.

Unsere Nachbarin will nun endgültig ihre Herberge am 1. Mai öffnen.

Wir sind gespannt, wie sich das auf Casa Belén auswirken wirkt.

Mehr dazu im nächsten Blog.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Warten auf den 20. März

Hallo, liebe Leser! Casa Belén ist wieder auf Sendung. Eine Freundin aus Lauenburg an der Elbe machte sich schon Sorgen: Es habe so lange nichts Neues im Blog gegeben …

dscf5845Der Sonnenuntergang auf dem Foto fand statt um 17Uhr30, wie jeden Abend. Ort: die Pazifikküste Costa Ricas. Birgitta und ich haben Jonatan mit Maria in San José besucht. Nach einer Rundfahrt durch das beeindruckende Land haben wir beide uns noch eine Woche nach Nicaragua abgesetzt. Land und Leute haben uns sehr gefallen.dscf6054 Bei dieser Zusammenfassung soll es bleiben, denn unser Blog erzählt ja von unserem Leben am Jakobsweg.

Das Neuste aus Cuerres: Vor einer Woche hat unsere Nachbarin Katrine ihr Hotel (mit Herberge) eingeweiht.20170304_121405 Wir waren gleich am Freitag Morgen die ersten. Reposo del Andayon (so im Internet zu finden) hat die stilvolle Ausstattung eines Luxushotels (2 Suiten, drei Doppelzimmer mit Bad). Die Pilger sind in einem Flügel untergebracht. Allerdings können sie erst ab Ostern kommen, denn es sind noch etliche Restarbeiten zu tätigen.

Am Sonnabend und Sonntag war dann – so haben wir gehört – echter Andrang. Wir haben es vorgezogen, wandern zu gehen, und zwar nicht auf dem Jakobsweg sondern dem GR-E9.20170225_161809

Wanderlustige wissen, dass dieser europäische Fernwanderweg von Estland bis nach Südportugal führt, entlang der spanischen Nordküste. Er läuft manchmal parallel zum Jakobsweg, manchmal macht er große Schlenker, da er nicht so zielgerichtet ist. Es geht einfach darum, durch schöne Landschaften zu wandern.

Wir können uns diese freien Tage nehmen, weil unsere spanische Freundin Cristina Casa Belén hütet. Das hat sie schon während unserer Reise nach Costa Rica getan. – Frieda ist von ihren Allergien geheilt. Sie freut sich des Lebens.20170304_121148

Mitte Februar haben wir eine kleine Rundfahrt zu alten Freunden gemacht. Erste Station war bei Don Ernesto, der gerade für den früh verstorbenen Biul den kleinen Nel bekommen hatte.20170217_16225720170217_140918 Don Ernesto ist der Patriarch unter den ‚hospitaleros‘ und wird im Dezember 80. Seine Herberge wurde 2016 von 10.300 Pilgern angesteuert. Ohne ein Team von verlässlichen Helfern würde das natürlich nicht gehen.

Dann ging es nach Vitoria (Hauptstadt des Baskenlandes), um unsere liebe ehemalige Nachbarin Gregoria wieder zu sehen.20170217_201927 Im Winter wohnt sie bei ihren Töchtern und Schwiegersöhnen. Diesen Sommer will sie aber wieder alleine nach Lorca/Navarra, trotz ihrer 92 Jahre. Wir freuten uns, sie noch so rüstig anzutreffen. Uns zu Ehren hatte sich die ganze Familie versammelt, inklusive der drei Partner der Mädels.20170217_214241

In Lorca hatten wir uns bei Conchi (de Juanito) angemeldet.Wir schreiben uns seit unserem Weggang 2005 regelmäßig zu Weihnachten. Auch ihre Kinder (mit einem Enkelkind) waren zu dem Kaffeetrinken erschienen.

Juanamari besuchten wir in ihrer Stadtwohnung in Estella. Wir sind ihr ewig zu Dank verpflichtet, weil wir unseren gesamten Haushalt jahrelang in einem Anbau ihres Elternhauses in Lorca umsonst unterstellen durften. Leider hat ihre angeschlagene Gesundheit es bislang unmöglich gemacht, dass sie uns in Asturien besuchen kommt.

Wir haben bisher einen warmen und recht trockenen Winter gehabt. Da war Gelegenheit im Garten zu puzzeln. Die Brücke zur Kapelle musste erneuert werden, wobei das alte Geländer (noch von Jonatan gebastelt) gerettet werden konnte.20170304_121114

Birgitta arbeitet seit einiger Zeit mit der ihr eigenen Begeisterung an einem Mosaik, das der Vollendung entgegengeht. Das dürfte im nächsten Blog vorgestellt werden.

Im Februar haben uns fünf Pilger besucht. Eva (38) mit ihrem Mann José (52) kamen mit dem Auto, weil Eva zu schwach zum Laufen war. Es herrschte eine wehmütige Stimmung, denn nach vielen Wanderungen auf dem Jakobsweg würde diese für Eva wohl die letzte sein.

Aus den 20. März sind alle Einwohner von Cuerres gespannt. Das asturische Fernsehen kommt! Den ganzen Tag lang soll gedreht werden für eine 45 Minuten Sendung, Teil einer Serie über Dörfer von Asturien. Vieles wird aus der Vergangenheit berichtet werden (die alte Wassermühle, die Apfelwein Presse, unsere Kirche aus dem 17. Jahrhundert), aber auch das Neue, und dazu zählt auch Casa Belén.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Season’s Greetings … ein Jahr geht zu ende

Seasons’s greetings … ein Jahr geht zu ende

Das Pilgern nach Santiago ist im Aufschwung. Auch auf dem Nordweg sprechen die Zahlen dafür. Man sieht es auch daran, dass die Saison länger andauert als in den vergangenen Jahren. Der Oktober ist praktisch Teil der Hochsaison geworden. Wir hatten noch an zahlreichen Tagen ‚full house‘.dscf5795

Im November/Dezember kommen dann die „Nachzügler“, die in der Regel Langzeitpilger sind.

Am 8.11. hatten sich drei solcher bemerkenswerter Extrempilger in Casa Belén versammelt.

Seifi ist als 17jähriger in Brandenburg nach Abschluss der mittleren Reife los gewandert. Seine deutsche Mutter und sein türkischer Vater ließen ihn in Begleitung eines volljährigen Freundes ziehen, der jedoch nach vierzehn Tagen aufgab. Seifi pilgerte weiter. Sein schön gestaltetes Tage/Pilgerbuch dokumentiert seine monatelange Wanderung . Er ist voll des Lobes über die vielen hilfsbereiten Leute (besonders in Frankreich), die ihm ermöglicht haben mit seinem kleinen Budget so weit zu kommen. Ein Hobby von Seifi ist Origami (die japanische Papierfaltkunst). Als Dankeschön für unsere Gastfreundschaft faltete er uns drei kleine Drachen, die auf unserem Bord im Wohnzimmer Platz gefunden haben.

Lisa (29) startete in Lyon. Ihre Arbeit in einem Buchladen gab sie auf. Als sie nach drei Wochen anfang September in Le Puy ankommt, trifft sie auf Viljem (45), der sich zwei Monate vorher in Slowenien auf den Weg gemacht hatte. Die beiden bilden seitdem eine Schicksalsgemeinschaft. Neben kritischen Momenten (Lisa war manchmal dem Zusammenbruch nahe) erleben sie auch ‚Wunderbares‘. Als sie in einem drei Sterne Restaurant um Essensreste bitten, führt man sie (verschwitzt und dreckig, wie sie waren) in den Speisesaal und serviert ihnen ein Menü.

Vielleicht kommt einem Leser unseres Blogs Viljem und Slowenien irgendwie bekannt vor. Richtig, im August 2015 habe ich schon von ihm berichtet. Damals schrieb ich: Viljem, (44) aus Slowenien, ist ein Phänomen. Er läuft ohne Rucksack … und war seit 40 Tagen unterwegs. Er hat für deutsche Magazine gearbeitet (spricht fließend deutsch) und war für die UNO in Ost-Timor tätig. Er hat den Ruf gespürt, auf dem Jakobsweg zu wandern. Er ist fit, macht lange Etappen, teilweise nachts. So startete er um 23 Uhr in St. Jean Pied de Port und traf um 17 Uhr in Irun ein: 73 Km entfernt. Nachts um 4 Uhr kam er an einer Bäckerei vorbei. Der Bäcker ludt ihn ein, sich zu stärken und Vorräte mitzunehmen.

Birgittas kritische Frage, was er den Menschen gebe, macht ihn stutzig. Dann sagt er, dass er bereit sei seine Lebensgeschichte und seine Erfahrungen mit Gott mit anderen zu teilen.

Seifi, Lisa und Viljem konnten in Casa Belén auftanken. Lisa verdrehte die Augen nach dem ersten Löffel Kürbissuppe mit Kokosmilch. Nach einer guten Nacht zogen alle mit gewaschenen Klamotten (längster Waschgang, 2Std59Min) weiter.

Im letzten Blog erzählte ich von unserer Wanderung auf dem Camino Inglés. Als wir am 12. Oktober in Santiago eintrafen, checkten wir in ‚mundoalbergue‘ ein, eine schöne Herberge nur 500 Meter von der Kathedrale entfernt. Im Eingang der Herberge stand (etwas störend) ein Schiebekarren, mit dessen Besitzer wir bald bekannt wurden. Jean-François Aillet (55, aus der Bretagne) war gerade aus Finisterre eingetroffen und erzählte uns, dass er den Nordweg rückwärts zu laufen gedenke. Da lag es nahe, dass wir ihn einluden in Casa Belén Station zu machen. Genau einen Monat später stand er mit seinem Wägelchen vor unserer Tür. Heute am Nikolaustag liegt die Frage nahe: Was drin war, wollt ihr wissen, ihr Nasewseiss, ihr Schelmenpack ? Nun, die Antwort ist auf dem Zeitungsauschnitt zu finden: SAND!dscf5789

Frieda, Jean-François und ich entnehmen eine Probe an der Mündung des Guadamia Flusses, und zwar die Probe 1226. Die wurden dann gebührend katalogisiert und in den großen Setzkasten im Wägelchen deponiert. Jean-François hat sich zur Aufgabe gemacht, Sandproben von allen 70 Weltmeeren zu sammeln.dscf5791 Er versteht etwas von ‚public relations‘, durch Zeitungsinterviews und Homepage wissen viele Leute von seinem Projekt und senden ihm Sandproben von den entferntesten Stränden, wobei sie immer ein Foto dabei legen (z. B. mit wem sie die Probe entnommen haben). Daraus ist ein als Buch gebundenes dickes Album geworden, das er – ähnlich wie seinen ganz speziellen Pilgerpass – gerne zeigt.

Eintrag von Jean-Francois in unser Gästebuch

Eintrag von Jean-Francois in unser Gästebuch

Sein Weg geht zurück über Bordeaux und Mont Saint Michel und soll in Stockholm enden. (seine Homepage erklärt alles,  allerdings nur auf Französisch: http://www.aillet.com )

Birgitta und ich waren ende November in Berlin und Bayern, wo wir Zeit mit David und mit lieben Freunde verbringen konnten. Casa Belén wurde von unseren Freunden Giovanna und Paul betreut, die immerhin sieben Pilger beherbergen durften, darunter zwei Ehemänner aus Mallorca mit den frommen Namen Baltasar und Epifanio. Auch unsere Tiere waren gut aufgehoben. Ich glaube, es hat allen Spaß gemacht.

Die (vorläufige) Pilgerstatistik 2016 sieht so aus (Zahlen in Klammern von 2015):

Insgesamt beherbergten wir 868 Pilger (Vorjahr 780)

Wenn wir den freien Donnerstag in diesem Jahr rechnerisch geltend machen, haben wir eine Steigerung von 25% gehabt. Natürlich behalten wir den freien Tag bei, ansonsten hoffen wir auf die (‚baldige‘) Eröffnung der Nachbar Herberge, die Entlastung bringen dürfte.

Platz 1 Deutschland 217 (113) entspricht 25%

Platz 2 Spanien 148 (201) 17%

Platz 3 Frankreich 90 (121) 11%

Die deutschen Pilger haben ihren Spitzenplatz von 2014 und 2013 zurück erobert. Die vermutliche Erklärung ist der Besuch der Redakteurin Cordula vom Rother Pilgerführer, in den wir dann zum ersten Mal mit drei Muscheln aufgenommen wurden.

Weitere Ergebnisse: Italien 48 (54), USA 38 (31), Polen 27 (45), Tschechien 25 (8), Belgien 23 (10), Holland 20 (30), Schweiz 18 (10), Brasilien 17 (1), Österreich 16 (24), Kanada 15 (14), Dänemark 13 (12), UK 13 (10), Ungarn 11 (5), Litauen 11 (4), Argentinien 10 (3), Schweden 10 (5), Australien 8 (13), Süd Korea 7 (3), Finnland 5 (1), Japan 5 (1), Portugal 5 (1)

Es folgen weitere 23 Nationen, unter denen auch China, Russland, Israel, Neuseeland und Süd Afrika vertreten sind. – Die gewaltige Steigerung von Brasilien ist auf den Besuch von zwei Gruppen zurückzuführen: einmal kehrten sechs Damen von ‚biodanza‘ bei uns ein sowie eine fünfköpfige Männergruppe von einer brasilianischen Jakobusgesellschaft, die zum Abendessen alle in den gleichen schicken Vereinshemden erschienen.

Insgesamt 19 Pilger kamen per Fahrrad, was beachtlich ist, da doch ein extra gelber Pfeil sie auf die Straße dirigiert (so dass sie bei uns nicht vorbei kommen).

Wir werden nun einige Wochen nichts von uns hören lassen. Grund genug schon jetzt all unseren Lesern für ihre Treue zu danken und von Herzen  frohe Weihnachtstage und einen guten Start ins Neue Lahr zu wünschen!dscf5798

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen …

Blog November 2016

Detlev und Elke sind den Lesern unseres Blogs bestimmt in Erinnerung.dsc00758 Wie in den drei vergangenen Jahren kamen sie aus Hamburg, um Casa Belén zu leiten. Birgitta und ich konnten so den angefangenen Camino Inglés zu ende laufen.dsc00756 Er ist der kürzeste Jakobsweg. In sechs Tagen führt er von El Ferrol an der Nordküste nach Santiago. Obwohl es an einem Tag auf 380 Meter hoch geht, ist die Wanderung auch für Senioren zu empfehlen.

Unsere erste Etappe verlief entlang der Bucht und der Flussmündung zur Stadt Betanzos, von der wie nie gehört hatten, was eindeutig eine Bildungslücke war.dscf5686 dscf5700Bis Santiago ging der Weg dann durch spärlich besiedelte Wald- und Feldgebiete. Was mich sehr verwundert hat, war die Tatsache, dass viele Wege von Esskastanien übersät waren, die keiner einsammelte; für mich ein Zeichen, dass die große Armut Galiziens, vermutlich dank des Tourismus, der Vergangenheit angehört.dscf5710 Die Herbergen sind sehr spartanisch, z. t. ohne Aufenthaltsraum und ohne Küche. Die Pilze, die wir unterwegs gesammelt hatten, konnten wir nicht zubereiten.

In Santiago haben wir in der Pilgermesse zum ersten Mal das riesige Weihrauchfass schwingen gesehen. Auch so spät in der Saison (15. Oktober) drängten sich die Pilger in den Gängen. Enttäuschend fand ich, dass die Messe (inkl. Predigt) nur auf spanisch gehalten wurde, weiß man doch, dass die überwiegende Mehrheit der Pilger aus anderen Ländern kommt. Wir finden es traurig, dass die kath. Kirche die Chance mit so vielen hunderttausenden von Pilgern in Kontakt zu kommen bis in die Kathedrale hinein verpasst.

Als Birgitta und ich in Santiago ankamen, begannen unser Freund Dave (aus Los Angeles) mit seiner Schwester Kate (aus New Jersey) den Camino del Norte in Ribadeo, neun Tage vor Santiago.

Sie hatten sich für den ersten Tag zu viel vorgenommen: 29 Km! Wir fuhren ihnen auf unserer Heimfahrt entgegen und trafen sie ziemlich entkräftet kurz vor der Herberge von Laurenzá. Zum Glück konnten die beiden etliche Kilogramm von ihren Rucksäcken in unser Auto umladen, inkl. eines ‚monumentalen‘ Geburtstagsgeschenks für mich, von dem weiter unten die Rede sein wird. Anbei eine Anekdote wie sie der Camino nicht selten schreibt: im Schlafsaal der Herberge von Laurenzá war kurz vorher ein älteres Ehepaar aus Erlangen eingetroffen. Dave hat 1974 in Erlangen ein Jahr als Stipendiat verbracht. Da hatte man sich doch gleich etwas zu erzählen und Dave freut sich immer, wenn er Deutsch sprechen kann. Sie liefen die nächsten paar Etappen zusammen.

Dave und Kate trafen am Sonnabend,dem 22. Oktober um 18Uhr30 in Santiago ein, gingen stracks zum Pilgerbüro, um sich die Compostela geben zu lassen und anschließend in die Pilgermesse um 19Uhr30. Das nenne ich ‚timing‘!  Am 23. Oktober (nach erneutem Besuch der Messe, wieder mit ‚botafumeiro‘) stiegen sie in den Bus nach Oviedo, wo wir sie am Abend abholten.

Am Montag, dem  24. Oktober,  meinem Ehrentag (70.), waren sie meine ‚Ehrengäste‘.  Unser David war mit Freund Dave aus Berlin gekommen, Elke und Detlev waren noch da und legten sich kräftig ins Zeug bei den Vorbereitungen für die Feier. Aus Cuerres, Toriello, Camango, Ribadesella und Oviedo waren ca. 30 Gäste geladen.dsc00972 Die ‚gardenparty‘ begann um 14 Uhr bei strahlendem Sonnenschein, der uns bis in den Abend treu blieb. Das war (ohne Wertung) das tollste Geschenk. Dorothy und John haben mich und die Gäste mit asturischen und englischen Liedern erfreut.dsc00976

Interessante Bücher, erlesene Weine und Spirituosen, hausgemachte Marmeladen und Gebäck fanden auf meinem Gabentisch Platz.dsc00950 Von Dave und Kate bekam ich ein Erbstück aus ihrem Elternhaus: ein Schneidebrett aus Marmor mit einer ‚goldenen‘ Jakobsmuschel, Nettogewicht 2.200 Gramm!dsc00942

Pilger:

Man könnte glauben 2016 sei ein ‚Heiliges Jahr‘ (aber der 25. Juli war kein Sonntag), denn der Ansturm der Pilger war bemerkenswert. Während sich in den Jahren zuvor Ende September die Saison deutlich dem Ende zu neigte, blieb der Strom ungebrochen.

François (28) ist in Nantes (Bretagne) losgelaufen. Er braucht den Jakobsweg, um eine neue Lebenseinstellung zu lernen: Abkehr von der Kontrolle und Berechnung, Übung in Vertrauen und unverdientem Empfangen. Deshalb macht er den Weg ohne Geld. François ist bühnenreifer Guitarist und spielt ergreifend das Lied von den ‚vieux amants‘ (die alten Liebenden) von Jacques Brel sowie ein spezielle Camino Lied, das sein Vater komponier hat.dscf5666 Auf dem Foto ist auch Roberta aus Triest zu sehen. Ich begleitete die beiden am Morgen zur Küste, weil sie die ‚bufones‘ sehen wollten, die aber nicht aktiv waren.

Angel (43, aus San Sebastian) ist ein echter ‚Haudegen‘. Er startete mit seinem Freund Koldo von zu Hause. Die beiden machten viel zu lange Etappen, so dass Koldo in Santander mit wunden Füßen aufgeben musste. Nun ereilte es auch Angel: ‚tendinitis (Sehnenentzündung) im linken Bein. Drei Tage Ruhe waren angesagt. Angel machte sich nützlich, wo er nur konnte, Nähen, Gartenarbeit und Kochen. Zu einem Abendessen kochte er ’sopa de ajo‘ (Knoblauchsuppe) und tortilla vom feinsten.

Er war immer am Erzählen, hat auch viel erlebt. Von zwei Frauen hat er zwei Kinder, einen davon hat er selbst (mit Hilfe der Großeltern) großgezogen. Wir schieden als Freunde. Er wird bestimmt wieder vorbei kommen.

Diego war 40 Jahre lang staatlich angestellter Hirte. Er führte die ihm anvertrauten Herden jedes Jahr von den Winterweiden bei Mérida zu den Sommerweiden in den Bergen bei Salamanca und wieder zurück (die sog transhumancia). Jedes Mal war er 50 Tage unterwegs entlang der ‚cañadas reales‘, die im 16. Jh. vom König dafür eingerichtet wurden und auf denen heute streckenweise die Jakobswege verlaufen. Es gibt Brunnen in regelmäßigen Abständen und an den Wegesrändern dürfen die Schafe weiden. Die Lämmer,, die auf der Wanderung geboren werden, gehören dem Hirten, der sie verkaufen darf. Er durfte ein Pferd mitführen, das seine Habe transportierte. Auch heute noch ziehen ca. eine Million Schafe auf diesen Wegen.dsc00731

Der junge Pilger in der Mitte ist aus Südkorea. Sein christlicher Name ist Micha. Er machte mich darauf aufmerksam, dass das der Name eines der alttestamentlichen Propheten sei. Als ich unseren Stempel in seinen Pilgerausweis setzte und ihm erklärte, dass Belén das spanische Wort für Bethlehem ist, war er begeistert: das sei doch der Ort aus seinem Prophetenbuch (Micha, Kapitel 5 Vers 1) und er freue sich ungemein, hier sein zu dürfen. Er schrieb all das (auf englisch) in unser Gästebuch und fügte noch den Schlüsselvers, Kapitel 6 Vers 8, hinzu. (Nun erwartet vielleicht mancher Leser einen link zur Bibel, so dass man sich mit einem Klick schlau machen kann. Aber nein, du musst deine Bibel aus dem Schrank holen, sie abstauben und nachschlagen …)

Im nächsten Kapitel möchte ich wie üblich die Jahresbilanz vorstellen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen